Investor-Relations als Unternehmensfeld

Investor-Relations im Mittelstand: Investoren zielgenau ansprechen

In kapitalmarktorientierten Unternehmen haben sich die Investor-Relations in der heutigen Zeit als eigenständige Unternehmensfunktion und wichtiges Berufsfeld ausgebaut und etabliert. Im internationalen Rahmen gelten die Tätigkeiten von Investor-Relations-Managern als Teil der Finanzkommunikation, sogar als Best-Practices. Viele Investoren suchen potentielle Investitionsmöglichkeiten häufig im mittelständischen Bereich, da dieser den Großteil der Menschen in Europa beschäftigt. Gerade im deutschsprachigen Raum wird dieser mit Qualitätsmerkmalen wie Innovation und Beständigkeit charakterisiert.

Lesezeit: 7 minutes

Publiziert: 15.05.2017

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Um Beziehungen mit Investoren und deren Bedürfnissen zu pflegen, bedarf es einer gezielten B2B-Investor-Relations-Planung. Der nachfolgende Artikel gibt Aufschluss über das gezielte Ansprechen Ihrer Aktionäre und den Ausbau von Qualitätsmerkmalen.

 

1. Anspruch an einen Investor-Relations-Manager

Das wichtigste Handwerk, welches der Investor-Relations-Manager mitbringen sollte, ist die Einhaltung einer transparenten Informationspolitik. Darunter fällt:

  • Die Planung und Durchführung der jährlichen Hauptversammlung.
  • Die Erstellung und Bekanntmachung von Finanzberichten.
  • Das Bekanntmachen von Dividenden.

Für die Preisbestimmung Ihres Unternehmens am Kapitalmarkt sind Informationen von immenser Bedeutung. Damit Interessenten sich ein Bild von Ihrem Unternehmen machen können, müssen Sie mit diesen richtig und gezielt kommunizieren. Für Ihren Investor-Relations-Manager ergeben sich daher folgende Anforderungen:

  • Kommunikative Fähigkeiten, um Informationen (im besten Fall positiv) zu vermitteln
  • Fortgeschrittene Fremdsprachenkenntnisse, um möglichst viele Interessenten zu erreichen
  • Ein ausprägtes analytisches Denken
  • Sehr gute Kenntnisse der Office-Anwendungen
  • Das nötige Know-How im Bereich des Kapitalmarktrechts

Ihre Anleger können durch neu gewonne Informationen Über- und Unterbewertungen Ihres Unternehmens am Markt mitbekommen und dadurch agieren. Nur so können Sie eine aktuelle Unternehmensbestimmung garantieren und gegebenenfalls Preise anpassen.

Die verschiedenen Aufgabenbereiche Ihres Investor-Relations-Manager können in vier Funktionstypen unterteilt werden:

  • 1. Informationspflicht
  • 2. Kommunikationsfunktion
  • 3. Marketingfunktion
  • 4. Finanzfunktion

Die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen im Mittelstand steht im internationalen Vergleich deutlich im Rückstand. Um hier aufzustocken, erfordert es immer öfter Fremdkapital. So ist der gezielte Börsengang gerade im mittelständischen Bereich von immer größerer Bedeutung. Die Investor-Relations müssen hier auf die Einhaltung der Zulassungspflicht einer Börsennotierung achten und einen klaren Blick auf den gesamten Kapitalmarkt haben, um sich zu orientieren. Dies beinhaltet das Aufzeigen von Unter- und Überschreitungen von festgelegten Schwellen der eigenen Aktionäre.

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2. Investor-Relations-Kommunikationsmaßnahmen

Als Teil der Finanzkommunikation umfasst der Aufgabenbereich der Investor-Relations die zielgerichtete und organisierte Kommunikation mit Investoren. Hier werden potenzielle und tatsächliche Anteilseigene Ihres Unternehmens angesprochen. Diese bilden das Feld der Entscheidungsträger. Des Weiteren zielt die Kommunikation auf Finanzanalysten, Anlageberater und Journalisten. Die letzteren fungieren hier als meinungsbildende Instanz. Somit sollte hier auf einen positiven Umgang mit Pressevertretern geachtet werden.

Bei Ihrer Investor-Relations-Kommunikation sollten sie darauf achten, das diese adressatengerecht gestaltet wird. Jedoch sollten Informationen einheitlich und deckungsgleich kommuniziert werden. Dies betont Beständigkeit und Seriosität. Bei der Gestaltung Ihrer Informationspolitik sollten Sie zudem auf folgende Merkmale achten:

  • zeitnah
  • detailliert
  • kontinuierlich
  • transparent

Eine regelmäßige Berichterstattung ist somit ein essentieller Bestandteil Ihrer Investor-Relations-Kommunikation. Ergänzen und berichtigen Sie zeitnah Zahlen und Daten.

Investor-Relations als Unternehmensfeld

Essentieller Bestandteil Ihrer Investor-Relations-Maßnahmen ist die Informationspolitik.

 

In der heutigen Zeit kommuniziert der Bereich des Investor-Relations aber nicht nur nach außen, also zu Investoren und Interessenten. Die Kommunikation zielt auch nach innen, in die eigene Unternehmensstruktur. Auch Ihre Mitarbeiter müssen auf dem neusten Stand gehalten und mit wichtigen Informationen versorgt werden. Beachten Sie hierbei das Gesetz der Gleichbehandlung. Auch wenn Ihre Zielgruppe verschiedenen Gruppierungen oder Branchen zugehörig sind, lassen Sie allen die gleichen Informationen zukommen.

 

3. Zielsetzung der Investor-Relations

Als übergeordnetes Ziel der Investor-Relations gilt die kontinuierliche Verbesserung des Informationsstandes. Informationen müssen so kommuniziert werden, dass sie auch verstanden werden. Zudem darf das Zielpublikum bei der Kommunikationsgestaltung nicht aus den Augen gelassen werden. Bleiben Sie bei Ihren Formulierungen klar und sachlich. Falls Fehlinformationen in Umlauf geraten, müssen Sie sofort und durchdacht handeln, bevor sich diese verbreiten.

Ein weiteres Ziel der Investor-Relations sollte das Aufzeigen und die positive Präsentation Ihres Unternehmens sein. Wenn Sie Erfolge zu verzeichnen haben, dann kommunizieren Sie diese auch. Vermitteln Sie den Eigenwert Ihres Unternehmens. Nur so können Sie für Anleger interessant sein. Um den Wert Ihres Unternehmens gezielt zu steigern, können verschiedene Maßnahmen getroffen werden:

  • Das Kaufen und Verkaufen von Unternehmenseinheiten
  • Die Erstellung von Kostenreduktionsprogrammen
  • Die Förderung von Interaktionen zwischen Unternehmen und Investoren
  • Der stetige Ausbau und die Erneuerung von Feedback-Mechanismen

Feedback-Instrumente können unter anderem eigene Investoren-Hotlines oder auf E-Mail basierte Online-Kontaktformulare sein. So können Sie die Bedürfnisse Ihrer Anleger kennenlernen. Zugleich fühlen sich diese von Ihnen ernst genommen und gleichgestellt.

Damit Ihr Unternehmen für potenzielle Investoren und Arbeitnehmer attraktiv werden kann, müssen Sie dieses innerhalb der unternehmenseigenen Branche positionieren. Bleiben Sie bei der Darstellung der Unternehmensentwicklung bei realistischen Zukunftsprognosen. Bei negativer Zahlenschreibung vermitteln Sie eine lösungsorientierte Strategie. Berichten Sie nicht nur stumme Zahlen und Fakten, sondern bringen Sie auch Ihre individuelle Unternehmensgeschichte ein. Erläutern Sie Interessenten, wieso diese gerade in Ihr Unternehmen investieren sollen. Gerade in der heutigen Zeit, wo der Markt mit konkurrierenden Unternehmen überflutet scheint, ist es wichtig, die Zielgruppe persönlich und individuell anzusprechen. Zusammenfassend lassen sich hier folgende Merkmale festhalten:

  • Positionieren Sie Ihr Unternehmen innerhalb der eigenen Branche.
  • Steigern Sie die Attraktivität für neue Mitarbeiter.
  • Vertrauen kann durch Transparenz für bestehende und neue Aktionäre geschaffen werden.
  • Positionieren Sie Ihr Unternehmensimage am Markt stets positiv.
  • Bauen Sie den Informationsstand kontinuierlich aus.
  • Zeigen Sie die unverwechselbare Persönlichkeit Ihres Unternehmen auf.

Falls Probleme innerhalb der Unternehmensabläufe auftauchen sollten, handeln Sie offensiv. Damit zeigen Sie Stärke und Ehrgeiz. Zudem präsentieren Sie Ihr Unternehmen als lösungsorientiert, welches Schwierigkeiten erkennt und aktiv angeht. Also protokollieren Sie nicht nur positive Entwicklungstendenzen, sondern auch negative. Investoren fühlen sich bei zu später Aufklärung schnell hintergangen und reagieren negativ.

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4. Möglichkeiten der Investor-Relations

Am Wachstum des Unternehmens sind nicht nur Sie als Unternehmenseigener, sondern auch Ihre Investoren beteiligt. Schöpfen Sie also die Möglichkeiten dieser Partnerschaften aus. Durch Investoren aus verschiedenen Branchen könne neue Ideen eingebracht werden. Um dies zu ermöglichen, müssen Sie die Beteiligung dieser aktiv begleiten.

Eine Möglichkeit, Ihre Anleger aktiv ins Unternehmensgeschehen einzubinden, wäre die Vergabe von Mandaten innerhalb der Investmentkommission oder die Abgabe von Aufsichtsratsitzen innerhalb des Unternehmens. Bei geeigneten Investoren können Sie auch führende Positionen innerhalb Ihres Unternehmens vergeben. Zum Beispiel als kaufmännischer Geschäftsführer. Solche Maßnahmen fördern das aktive Miteinander zwischen allen Parteien und verdeutlichen das Arbeiten auf Augenhöhe. Zudem können Sie von den persönlichen Kontakten der Investoren profitieren.

Die Palette einer Investor-Relations-Gestaltung können Sie mit verschiedenen Maßnahmen ausschöpfen. Sie können Ihren Investoren persönlich und unpersönlich gegenübertreten. Unter persönliche Instrumente fallen:

Daneben ergeben unpersönliche Instrumente folgende Möglichkeiten:

  • Presseberichte
  • Geschäftsbriefe
  • Finanzanzeigen
  • Werbeschaltung in Fernsehen/Radio/Zeitungen

Die persönlichen Instrumente erlauben Ihnen eine direktere und gezieltere Kommunikation und Weitergabe von Informationen. Hier sind die Streuverluste deutlich geringer als bei den unpersönlichen Instrumenten. Jedoch sind diese Maßnahmen mit höheren Kosten verbunden und somit nur auf eine überschaubare Gruppe anwendbar. Für einen größeren Kreis empfiehlt es sich, auf unpersönliche Instrumente zurückzugreifen. Für Investor-Relations ist die gezielte Kombination beider Maßnahmen am erfolgversprechendsten. Die Verknüpfung von persönlichen und unpersönlichen Instrumenten hilft Ihnen, eine breite Interessentengruppe anzusprechen und somit den größtmöglichen Gewinn zu generieren. Zur weiteren Unterstützung können Sie bei Messeauftritten mit Gewinnspielen und Produktproben punkten. Oder veröffentlichen Sie einen Artikel über Ihr Unternehmen in einer Fachzeitschrift, um sich potenziellen Interessenten vorzustellen.

 

Fazit

Als mittelständisches Unternehmen müssen Sie Ihren Anlegern und Investoren mit einer offenen und transparenten Kommunikations- und Informationspolitik begegnen. Nur so können Sie diese von sich überzeugen und Vertrauen generieren.

Dieser Bereich der Finanzkommunikation ist keiner einheitlichen Struktur unterworfen. Hier müssen Sie die für Ihr Unternehmen und Ihre Zielgruppe passende Strategie filtern und ausführen.
Die Investor-Relations-Manager müssen mit kommunikativem Geschick die aufgeführten Maßnahmen gezielt kombinieren. Nutzen Sie hierbei verschiedene Kommunikationskanäle und sehen Sie Social-Media-Anwendungen als Unterstützung für Ihre One-to-One-Kommunikation.

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Autor

Andreas Duerr
Andreas Duerr

Andreas Duerr ist Chefredakteur des B2B Managers. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen strategische Absatzkonzepte und Verkaufsförderung. Er kennt die Höhen und Tiefen des Vertriebsalltags und nimmt mit seiner Expertise in den Themenfeldern Vertriebsaufbau, Führung und Organisation auch im B2B Manager eine leitende Rolle ein.

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