Mittelstandsanleihen zur Kapitalbeschaffung

Mittelstandsanleihen: Refinanzierung mittelständischer Unternehmen

Kleinere und mittlere Unternehmen tendieren immer häufiger dazu, sich mit Fremdkapital an der Börse in Form von Mittelstandsanleihen zu versorgen, anstatt Bankkredite aufzunehmen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, die Hausbank zu umgehen und sich von Kreditklemmen und Kreditherausgabepanik der Banken zu befreien. Diese Form der Fremdfinanzierung ist in Großbritannien und den USA weit verbreitet und wird auch zunehmend in Deutschland genutzt. An den Börsen sind im Zuge der Fremdfinanzierung bestimmte Marktsegmente geschaffen worden, die Unternehmen erlauben, über die Emission der Mittelstandsanleihen Fremdkapital direkt vom Privatanleger zu holen. Was Sie dabei jedoch beachten sollten und warum Mittelstandsanleihen nicht ganz unkritisch zu bewerten sind, erfahren Sie in diesem Ratgeberartikel.

Lesezeit: 5 minutes

Publiziert: 20.07.2017

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9 Tipps für Ihre Mittelstandsanleihen

Auf den ersten Blick bringen Mittelstandsanleihen den kleinen und mittleren Unternehmen Vorteile, vor allem die Unabhängigkeit von den Banken. Sie sollten die folgenden Tipps beachten, um einen Zinsausfall oder gar einen Totalausfall der Mittelstandsanleihe zu vermeiden.

 

Tipp 1: Analysieren Sie die Finanzlage

Um einen genauen Überblick zu bekommen, analysieren Sie die Bonität und Liquidität des Emittenten (Wirtschaftssubjekt zum Zwecke der Kapitalbeschaffung wie Wertpapiere o. Ä.). Dafür sollten mehrere Kennzahlen herangezogen werden. Zum einen ist der Cashflow von großem Interesse: Ziehen Sie Daten zur Umsatzentwicklung heran, denn das Unternehmen muss in der Lage sein, laufenden und zukünftigen Zinsverpflichtungen aus dem Cashflow heraus nachzukommen.

Auch die Daten zur Kapitalstruktur sind wichtig. Betrachten Sie die Eigenkapitalquote, die ab einem Wert von 30 Prozent ein Ausdruck solider Finanzierung ist. Die Cash-Burn-Rate zeigt Ihnen zudem an, wie viele Jahre die Liquiditätsreserven bei unveränderten Mittelzuflüssen ausreichen. Dieser Wert ist insbesondere dann interessant, wenn der Cashflow negativ ist und es darum geht, wie viel kurzfristiges liquides Vermögen zur Verfügung steht.

Ein weiteres Analysekriterium ist die Investitionstätigkeit. Achten Sie darauf, ob das Unternehmen seine Mittel nachhaltig verwendet und Investitionen aus dem Geschäft heraus finanzieren kann. Zusätzlich kann der Zinsdeckungsgrad Auskunft darüber geben, inwiefern die Gesellschaft in der Lage ist, ihren Zinsverpflichtungen nachzukommen.

 

Tipp 2: Betreiben Sie eine Markt- und Branchenananlyse

Eine Markt- und Branchenanalyse ist unerlässlich, um die Situation einschätzen zu können. Richten Sie Ihren Blick auf die kommenden Jahre und mögliche Trends. Ziehen Sie daraus Schlüsse für die Chancen und Risiken. Für eine Einschätzung ist es auch ratsam, die Wettbewerber im Auge zu behalten. So bekommen Sie einen Überblick darüber, ob die Produkte des Unternehmens austauschbar sind oder ob das Unternehmen eine starke Position innerhalb der Branche einnimmt.

 

Tipp 3: Begutachten Sie die Unternehmensstrategie

Beleuchten Sie die Unternehmensstrategie dahingehend, welche Qualitäten diese besitzt. Dabei geht es in erster Linie um das Geld des Unternehmens. Begutachten Sie die Produkte und Dienstleistungen sowie die Marktposition des Unternehmens und arbeiten Sie Stärken heraus.

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Tipp 4: Ermitteln Sie die Unternehmensstruktur

Im Zuge der Etablierung von Mittelstandsanleihen sind Schachtelstrukturen entstanden, die Sie vermeiden sollten. Klären Sie also das Geflecht zwischen der Anleihe, dem Emittenten, dem Unternehmenseigentümer und der Tochtergesellschaft auf und legen Sie offen dar, wer was bekommt und wer was absichert.

 

Tipp 5: Absicherung durch Covenants

Klauseln sind unverzichtbar, doch wie werden die Mittelstandsanleihen am besten gesichert? In die Anleihekonzepte gehören Negativverpflichtungen, Steuer- und Change-Of-Control-Klausel. In Abhängigkeit von der Höhe der Verschuldung ist auch eine Verschuldungsbegrenzung sinnvoll.

 

Tipp 6: Die Liquidität beleuchten

Die Liquidität ist ein entscheidender Faktor, den Sie bei Mittelstandsanleihen beachten sollten. Die Frage ist, wie Sie langfristig Ihre Liquidität sichern. Für die Absicherung gegenüber Fremdkapitalgebern sollte ein Unternehmen in der Lage sein, aus dem Stand heraus einen gewissen Betrag der zeitnahen anfälligen Schulden zu bedienen.

 

Tipp 7: Die Expertise des Managements als Richtwert

Von Anfang an sollten Sie die Personen in den Prozess einbinden, die mitentscheiden. Auch die Expertise des Managements kann auf Ihrer Seite ein wichtiger Einflussfaktor für eine Entscheidung sein.

Erfolgsfaktoren für Mittelstandsanleihen

Die Expertise des Managements schafft Vertrauen beim Kauf von Mittelstandsanleihen. Kommunizieren Sie diese.

 

Tipp 8: Transparenz als Indikator für Vertrauen

In allen B2B-Geschäftsbeziehungen spielt Vertrauen eine große Rolle. Wenn es um Mittelstandsanleihen geht, sollte keine Ausnahme gemacht werden. Da das Thema für viele Unternehmen Neuland ist, sollte ein besonderes Augenmerk auf die Kommunikation gerichtet werden. Wie gut kommuniziert das Unternehmen? Hat das Unternehmen genügend Personal und Ressourcen, um aktiv zu kommunizieren und so Transparenz herzustellen? Nur so kann Vertrauen entstehen. Bereits der Erstkontakt kann darüber Auskunft geben. Stellt das Unternehmen beispielsweise Informationen und relevante Nachrichten und Entwicklungen bereit (auch öffentlich) oder erst auf Nachfrage? Letzteres kann bereits ein Zeichen fehlender Transparenz darstellen und sollte hinterfragt werden.

 

Tipp 9: Vor- und Nachteile beachten

Privatanleger erhalten für die Mittelstandsanleihen höhere Zinsen als für Bundesanleihen. Der höhere Zinssatz ist als Risikoprämie anzusehen. Mittelstandsanleihen werden gekauft oder gezeichnet – und gelangen so auf das Depotkonto.

Mittelstandsanleihen können auch Nachteile für kleine und mittlere Unternehmen mit sich bringen, zum Beispiel die Fälligkeit der Anleihe. Wenn bei der Fälligkeit das Kapital zur Rückzahlung nicht zur Verfügung steht, ist eine Verlängerung durch eine Neuemission der Mittelstandsanleihe erforderlich. Alternativ ist eine Kreditaufnahme bei der Bank zu beantragen.

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Auch für Anleger können Nachteile bei Mittelstandsanleihen entstehen. Kleine und mittelständische Unternehmen besitzen nicht die Größe und die Sicherheiten eines Staates. Insofern kann es bei schwacher Liquiditätslage zu einem Zinsausfall oder sogar zum Totalausfall der Mittelstandsanleihe kommen. Ein weiterer Nachteil stellt ihre geringe Marktliquidität dar. Deshalb sollten Anleger strategisch denken und sich fragen, ob sie während der gesamten Laufzeit der Anleihe auf die Rückzahlung bzw. den Verkauf verzichten können.

Bei einer Anlageart wie der Mittelstandsanleihe sollte nicht nach hohen Zinsen geschaut werden. Empfehlenswert ist die Beimischung von Mittelstandsanleihen im Depot. Letztlich sollte sich jeder Anleger fragen, ob Sicherheitsaspekte das Depot beherrschen oder ob das Streben nach höheren, aber risikoreichen Anlagen zielführend ist. Der Index für Mittelstandsanleihen kann als Richtwert gelten. Er trägt den Namen MiBoX (Micro Bond Index) und bildet die an deutschen Börsenplätzen gehandelten Mittelstandsanleihen ab.

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Autor

Birgit Weber
Birgit Weber

Birgit Weber ist als Redakteurin im B2B Manager tätig. Sie trainiert und berät seit mehr als zehn Jahren Unternehmen hinsichtlich ihrer Marketing- und Vertriebsstrategien und zählt zu den geschätzten Sprecherinnen auf B2B-Messen. Neben ihrer Autorentätigkeit ist Birgit Weber Leiterin eines Institutes für Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsplanung.

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