Deutsche Familienunternehmen: Unternehmer mit seinen Erben

Deutsche Familienunternehmen: Tradition, die sich bewährt

Der deutsche Mittelstand gilt noch immer als Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Einen großen Anteil daran haben Familienunternehmen. Wie erfolgreich diese sind, hat eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim belegen können. Demnach beschäftigen die 500 größten deutschen Familienunternehmen mehr Mitarbeiter als die DAX-27-Aktiengesellschaften. Zugleich arbeiten über 70 Prozent der Mitarbeiter deutscher Familienunternehmen direkt in Deutschland.

Lesezeit: 6 minutes

Publiziert: 31.07.2018

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Daten und Fakten zu deutschen Familienunternehmen

Es gibt heute keine einheitliche Definition, was ein „deutsches Familienunternehmen“ genau ist. In der Regel gilt: Deutsche Familienunternehmen haben Ihren Sitz in Deutschland und sind in Familienbesitz oder werden von einer Familie kontrolliert.

Somit können grundsätzlich zwei verschiedene Formen des Familienunternehmens differenziert werden:

  • Familienkontrollierte Unternehmen: Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die von einer nicht zu großen Zahl an natürlichen Personen kontrolliert werden. In diesem Fall muss die Unternehmensführung nicht mit dem Eigentümer übereinstimmen. Forschung und Öffentlichkeit gehen meist von dieser Form des Familienunternehmens aus. Ein typisches Beispiel für ein familienkontrolliertes Unternehmen ist die Volkswagen AG: Die Anteile werden überwiegend von den Familien Piëch und Porsche gehalten, die Geschäftsführung ist jedoch nicht mit Familienmitgliedern besetzt.
  • Eigentümergeführte Unternehmen: Bei diesen Familienunternehmen liegt die Kontrolle ebenfalls in der Hand weniger natürlicher Einzelpersonen. Die Führung des Unternehmens wird jedoch von mindestens einem Eigentümer übernommen.

Neben kleinen Familienbetrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern gehören auch große Aktienkonzerne dazu. Heute zählen knapp 50 Prozent der börsennotierten deutschen Unternehmen zu Familienunternehmen. Insgesamt werden in Deutschland mehr als drei Millionen Familienunternehmen gezählt.

deutsche Familienunternehmen sind vielfältig

Von kleinem Familienbetrieb bis großer Aktienkonzern: Die Vielfalt der deutschen Familienunternehmen ist groß.

 

Für die 500 größten deutschen Familienunternehmen arbeiteten im Jahr 2015 mehr als 4,8 Millionen Mitarbeiter. Sie erwirtschafteten weltweit einen Umsatz von knapp 1,1 Billion Euro. Hinsichtlich ihrer steuerlichen Abgabenlagen befinden sich die 500 stärksten deutschen Familienunternehmen in den Jahren 2009 bis 2013 mit jährlich rund elf Milliarden Euro gleichauf mit den DAX-Konzernen. Die Eigenkapitalquote von Familienunternehmen liegt in Deutschland im Vergleich deutlich höher als bei Nicht-Familienunternehmen.

 

Die zehn größten deutschen Familienunternehmen

Das Center for Family Business der Universität St.Gallen erstellt jährlich zusammen mit dem EY’s Global Family Business Center of Excellence den sogenannten „Global-Family-Business-Index“. Auf dieser Basis werden die 500 größten Familienunternehmen weltweit ermittelt. Hier folgen die zehn größten deutschen Familienunternehmen 2017:

  • Platz 10: Boehringer Ingelheim
  • Platz 9: Bertelsmann AG
  • Platz 8: Henkel
  • Platz 7: Porsche
  • Platz 6: Phoenix-Gruppe (Familie Merckle)
  • Platz 5: Continental AG (Schaeffler-Gruppe)
  • Platz 4: Aldi-Gruppe
  • Platz 3: Schwarz-Gruppe
  • Platz 2: BMW (Bayerische Motoren Werke AG)
  • Platz 1: Volkswagen AG

Platz 10

Das deutsche Familienunternehmen Boehringer Ingelheim wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Albert Boehringer gegründet. Heute erwirtschaftet der familiengeführte Pharmakonzern weltweit einen Umsatz von über 16 Milliarden Dollar und beschäftigt mehr als 47.000 Mitarbeiter. Seit 2016 wird das Unternehmen wieder von einem Familienmitglied geleitet. Damals übernahm der Urenkel des Firmengründers die Geschäftsführung.

Platz 9

Aus dem im Jahr 1835 von Carl Bertelsmann gegründeten Buchhandelsgeschäft ist die Bertelsmann AG entstanden. Die Geschicke des Aktienkonzerns mit einem Umsatz von über 18 Milliarden Dollar im Jahr 2016 werden von der Familie Mohn mitbestimmt, die mehr als 19 Prozent der Anteile hält.

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Platz 8

Der Name „Henkel“ ist heute untrennbar mit Persil-Waschmittel oder Pattex-Klebstoff verbunden. Der Firmengründer Fritz Henkel hat 1876 die Basis für den heutigen Weltkonzern geschaffen, als er sein Waschmittel praktisch verpackte und verkaufte. Die Unternehmensführung wurde schließlich in den 1960er Jahren von seinem Enkel Konrad Henkel übernommen. Heute ist Henkel ein international führender Chemiekonzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 19,6 Milliarden Dollar im Jahr 2017. Die börsengelistete Aktiengesellschaft wird bis heute von der Familie Henkel mitkontrolliert. So ist Simone Bagel-Trah als Aufsichtsratsvorsitzende ein Familienmitglied.

Platz 7

Der Autobauer aus dem schwäbischen Zuffenhausen ist mit seinen Premium-Sportwagen weltweit erfolgreich. Allein 2016 hat Porsche fast 240.000 Autos verkauft und einen Umsatz von über 22,8 Milliarden US-Dollar erzielt. Der Firmensitz liegt bis heute im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen. Weltweit arbeiten über 24.000 Menschen für Porsche. Die Kontrolle des Konzerns übernehmen die Familien Porsche und Piëch, deren Mitglieder im Aufsichtsrat sitzen.

Platz 6

Der Firmeninhaber Adolf Merckle hat in den 1990er Jahren viele kleinere Pharmaunternehmen aufgekauft und sie schließlich 1995 zur Phoenix AG gebündelt. Als Pharmahändler ist die Phoenix-Gruppe führend in Europa. Weltweit haben die Unternehmen mehr als 24,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Die Familie Merckle kontrolliert mit Ludwig Merckle die Unternehmensgruppe. Darüber hinaus ist die Familie an weiteren Unternehmen beteiligt wie HeidelbergCement, Ratiopharm oder Kässbohrer.

Platz 5

Die Continental AG ist ein weltweit agierender Automobilzulieferer und Reifenhersteller. Zur Gruppe gehören heute bekannte Marken wie Fulda, Barum oder Gislaved. Heute zählt Continental zu den größten Autozulieferern der Welt und beschäftigt fast 200.000 Mitarbeiter, mit einem Umsatz von über 42 Millionen US-Dollar. Die meisten Anteile an der Continental AG hält die Schaeffler-Gruppe, die von Wilhlem und Georg Schaeffler gegründet wurde. Im Aufsichtsrat von Continental sitzen heute Mitglieder der Familie Schaeffler und kontrollieren damit die Entwicklung des Konzerns.

Platz 4

Mehr als 82 Milliarden Euro hat die Aldi Group 2017 erzielt. Weltweit beschäftigt der Discounter über 162.000 Mitarbeiter. Entwickelt hat sich der Aldi-Konzern aus einem Brothandelsgeschäft und einem kleinen Laden von Anna und Karl Albrecht. Deren Söhne Karl und Theo Albrecht haben in den 1940er Jahren die Geschicke des Geschäfts übernommen und daraus einen Weltkonzern gemacht. Bis heute kontrolliert die Familie Albrecht die Aldi Group.

Platz 3

Der Firmengründer Josef Schwarz aus Neckarsulm hat in den 1930er Jahren in Deutschland für die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. gearbeitet und diese schließlich zu einem Lebensmittelgroßhändler gemacht. Aus dem Großhändler entwickelte sich schließlich der Discounter Lidl, heute ein Konkurrent für Aldi. Zur Schwarz-Gruppe, die der Sohn des Firmengründers Dieter Schwarz seit Ende der 1970er Jahre ausbaut, zählt auch die Marke Kaufland. 2017 hat die Gruppe einen Umsatz von über 90 Milliarden Dollar erwirtschaftet und über 390.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt.

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Platz 2

Motorräder und PKW von BMW sind heute weltweit gefragt. Mit mehr als 120.000 Beschäftigten hat die BMW-Gruppe 2017 mehr als 100 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt. Gegründet im Jahr 1913 von Karl Rapp, hat sich das Unternehmen trotz einer großen Krise in den 1950er Jahren zu einem Weltkonzern entwickelt. In der Krisenzeit übernahm der Unternehmer Herbert Quandt viele Aktienanteile. Bis heute kontrolliert die Familie Quandt mit Stefan Quandt und seiner Schwester Susanne Klatten den Auto- und Motorradbauer. Sie halten gemeinsam 46,7 Prozent der Anteile an der Bayerischen Motoren Werke AG.

Platz 1

VW ist das größte deutsche Familienunternehmen. Die Mehrheitseigner des Konzerns sind die Familien Piëch und Porsche. Zu den weiteren Großaktionären gehören aber auch das Land Niedersachsen sowie inzwischen der Staat Katar. Mit mehr als 590.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 231 Milliarden US-Dollar gehört VW zu den größten Autobauern der Welt. Im Jahr 2017 wurden mehr als 10 Millionen Volkswagen verkauft.

 

Fazit

Die Top-10-Liste zeigt: Deutsche Familienunternehmen sind weltweit gefragt und erfolgreich. Tatsächlich sind es aber nicht die umsatzstärksten Familienunternehmen, welche die Kraft des deutschen Mittelstandes ausmachen, sondern die Gesamtheit aller KMU, die konstant zur hohen Wirtschaftsleistung in Deutschland beitragen.

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Autor

Birgit Weber
Birgit Weber

Birgit Weber ist als Redakteurin im B2B Manager tätig. Sie trainiert und berät seit mehr als zehn Jahren Unternehmen hinsichtlich ihrer Marketing- und Vertriebsstrategien und zählt zu den geschätzten Sprecherinnen auf B2B-Messen. Neben ihrer Autorentätigkeit ist Birgit Weber Leiterin eines Institutes für Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsplanung.

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