Digitaler Wandel

Digitaler Wandel im Mittelstand: Chancen und Risiken

Mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Über die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten heute bei einem KMU. Und auch für künftige Generationen ist der Mittelstand von großer Bedeutung, denn Mittelständler beschäftigen knapp 90 Prozent aller Auszubildenden in der Bundesrepublik.

Lesezeit: 8 minutes

Publiziert: 23.04.2018

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Um in Zukunft diese wichtige Funktion als Arbeitgeber und Zukunftssicherer zu erfüllen, ist es deshalb umso wichtiger für den Mittelstand, den Megatrend Digitalisierung aktiv zu nutzen. Gleichzeitig ist der digitale Wandel ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Hier erfahren Sie, welche Chancen, aber auch welche Risiken für den Mittelstand mit dem digitalen Wandel verbunden sind.

 

Welche allgemeinen Gründe sprechen für die Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen?

Der digitale Wandel ist eine nicht mehr umkehrbare Entwicklung, die Industrie, Handel sowie den Dienstleistungssektor gleichermaßen betrifft. Um diesen Trend nicht zu verpassen, ist eine Digitalisierungsstrategie für jedes mittelständische Unternehmen nahezu unumgänglich. Egal, welcher Unternehmenstyp und welche Branche, es gibt ganz allgemeine Gründe, die für eine Digitalisierung sprechen:

  • neue Chancen: Digitale Technologien machen es Unternehmen heute leichter, innovative Vertriebs-, Produktions- oder Marketingchancen zu nutzen.
  • Anforderungen der Kunden: Die Ansprüche der Zielgruppen sind im Laufe der letzten Jahre deutlich gestiegen. Besonders deutlich wird das bei der Warenverfügbarkeit im E-Commerce. Gleichzeitig erwarten B2B-Kunden immer kürzere Lieferzeiten und eine deutlich höhere Flexibilität.
  • Wettbewerbsdruck: Durch die hohe Verfügbarkeit digitaler Assets können immer mehr Mitbewerber diese Technologien zu ihrem Vorteil nutzen. Die Folge ist ein stärkerer Wettbewerb, der zu einem regelrechten Innovationsdruck führen kann.

Unabhängig von einem allgemeinen „Druck“ hin zur Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien, können Mittelständler den digitalen Wandel aber auch als Chance sehen.

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Neue Geschäftsmodelle schaffen

Mithilfe des Internets und der zunehmenden Vernetzung von Geräten, Menschen und Maschinen können Unternehmer völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln. Ein sehr gutes Beispiel für den erfolgreichen digitalen Wandel ist das Dropshipping im E-Commerce. Während klassische stationäre Händler große Lagerbestände früher finanzieren und pflegen mussten, kann heute per Dropshipping ein großes Sortiment angeboten werden, ohne ein eigenes Lager unterhalten zu müssen. Aus diesem Trend heraus haben sich in nahezu allen Einzelhandelsbereichen neue Geschäftsmodelle entwickelt.

Auch der Dienstleistungssektor kann enorm von der Digitalisierung profitieren. So lassen sich Dienstleistungen über das Internet noch kostengünstiger und zielführender anbieten. Die Fintech-Branche zeigt außerdem das enorme Entwicklungspotenzial, das der Mittelstand im Versicherungsbereich oder Healthcare-Segment hat.

 

Neue Kunden gezielter und effizienter erreichen

Die eigene Homepage ist heute sehr viel mehr als nur eine digitale Visitenkarte für Unternehmen. Über die Corporate Website können neue Kunden akquiriert werden, während sich im Online-Shop der Vertrieb von Waren perfekt organisieren lässt.

Außerdem können mittelständische Unternehmen im Zusammenspiel mit modernen Webanalyse-Methoden genau analysieren, welche Bedürfnisse die Kunden haben und welche Themen sie interessieren. Auf diese Weise kann das Webangebot passgenau auf die Zielgruppe zugeschnitten werden. Das Ergebnis sind mehr Leads, mehr Conversions und ein kontinuierliches Wachstum des Kundenstamms. Die Analyse der Besucherdaten kann wiederum für Offline-Projekte wie Broschüren oder Infoflyer genutzt werden, welche die Nutzerbedürfnisse aufgreifen.

Gleichzeitig ermöglicht die digitale Technik die Verknüpfung verschiedener Datenbestände. So können die digitalisierten Anrufe über das eigene Call-Center ausgewertet werden, der Kundenservice kann sich damit noch besser auf Stoßzeiten einrichten. Als ein weiterer Vorteil kann das Customer-Relationship-Management optimiert und somit die Kundenzufriedenheit gestärkt werden.

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Prozesse optimieren – Kosteneffizienter und kundenfreundlicher arbeiten

Die Digitalisierung von Kunden- und Produktionsdaten machen nicht nur eine exakte Analyse dieser Datenbestände möglich, sondern auch die ständige Verfügbarkeit aller relevanten Informationen für Mitarbeiter, Kunden oder Produktionsmaschinen. Auf diese Weise lassen sich Produktionsprozesse ebenso wie Kundenkommunikationsprozesse vereinfachen und schneller durchführen.

Auch die Lohnbuchhaltung kann durch die digitale Erfassung von Arbeitszeiten kostengünstiger arbeiten. Indem Verkaufs- und Qualitätsdaten in der Produktion verfügbar sind, ist das Qualitätsmanagement effizienter durchführbar. Außerdem kann die Arbeit von Außendienstmitarbeitern dank digitaler Technik noch zeitsparender geplant und organisiert werden. Termine oder Produktkataloge können diese direkt mit ihren Smartphones oder Tablets an jedem Ort der Welt abrufen.

Ebenso werden Produktentwicklungsprozesse mit agilen und digitalen Methoden verbessert. Mobile Teams können ihren Arbeitsplatz flexibel wählen und ihre Arbeit in Projekten ortsunabhängig organisieren, während die Digitalisierung aller Arbeitsschritte eine genaue Dokumentation und Kontrolle des Entwicklungsfortschritts möglich macht.

 

Produktionsoptimierung kommt Mitarbeitern und Kunden zugute

Industrie und produzierendes Gewerbe profitieren ebenso vom digitalen Wandel: zum Beispiel beim Qualitätsmanagement und der Produktoptimierung. So können Produktkonfiguratoren direkt mit Maschinen verknüpft werden, worauf eine CNC-Programmierung dann direkt an die Fräsmaschine geschickt werden kann. Zwischenschritte fallen weg, die Kunden profitieren von kürzeren Lieferzeiten und die Mitarbeiter können sich auf die Arbeitsschritte konzentrieren, die eine Maschine nicht erledigen kann. Gleichzeitig reduziert sich die Fehlerquote durch die datengetriebene Produktion.

Digitale Medien können die Kommunikation vereinfachen

Ein großer Vorteil des digitalen Wandels ist eine leichtere Kommunikation. Unternehmensmitarbeiter können über Intranets, Mails, Messenger oder andere Systeme schnell und effizient miteinander kommunizieren. Auf diese Weise ist ein kontinuierlicher Informationsfluss sichergestellt, der Abteilungen mit Führungskräften und/oder Auftraggeber schnell miteinander verbindet. Diese Kommunikationsprozesse helfen dabei, Zeit zu sparen und sich bei Änderungen schnell abstimmen zu können.

 

Digitalisierung – Ein kontinuierlicher Prozess

Eine große Gefahr beim digitalen Wandel: Prozesse werden angestoßen, doch nach der Umsetzung einer digitalen Agenda geschieht nichts mehr. Um diese Gefahr zu umgehen, sollten mittelständische Betriebe die Digitalisierung nicht als einen einmaligen Handlungsschritt, sondern vielmehr als einen kontinuierlichen Prozess betrachten, der stetiger Anpassungen und Veränderungen bedarf.

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Fehlende Standards können für Unsicherheit und Investitionsangst sorgen

Die Digitalisierung hat unwiderruflich begonnen, doch gibt es in vielen Bereichen noch keine einheitlichen Standards, an denen sich Unternehmen orientieren können. Das sorgt bei vielen KMU für Unsicherheit, weil sie mit ihrer Digitalstrategie vor allem in Nischen Neuland betreten und somit eigene Standards oder Qualitätskriterien setzen müssen. Die zögernde Haltung ist verständlich, da mit der Digitalisierung tradierte System und Modelle verändert oder sogar komplett aufgegeben werden müssen.

 

Fachkräftemangel verhindert sukzessive Digitalisierung

Neue, digitale Techniken sind zwar in großer Menge verfügbar, doch oft fehlt es an Expertise, um diese zu nutzen. So hemmt der viel gefürchtete Fachkräftemangel in Deutschland häufig den digitalen Wandel. Denn wie soll ein KMU Digitalstrategien umsetzen, wenn kein Know-how vorhanden ist? Den Unternehmen stehen dann verschiedene Optionen offen: Entweder, sie sorgen für Experten inhouse oder sie nutzen die Expertise externer Agenturen oder Mitarbeiter.

Digitaler Wandel im Unternehmen

Egal ob inhouse oder externe Kompetenz: durch regelmäßige Workshops und Schulungen stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand sind.

 

Angst um Datensicherheit kann den digitalen Wandel bremsen

Im Rahmen der Digitalisierung entstehen große Datenmengen; die sind einerseits hilfreich bei der Gestaltung von Produkten oder neuen Dienstleistungen, andererseits birgt das Thema Datenschutz eine große Gefahr. Unbefugte Dritte können im schlimmsten Fall komplette Datensätze stehlen und dadurch die Wirtschaftskraft und die Reputation eines Unternehmens schädigen. Um diese Gefahr zu minimieren, gehört zur Entwicklung einer eigenen Digitalstrategie zwingend die Entwicklung eigener Qualitätskriterien für Datenschutz und Datensicherheit.

 

Risiko der Entwertung menschlicher Arbeit

Viele Unternehmer und Angestellte treibt im Zuge der Digitalisierung die Frage um: Wie viel ist meine Arbeit noch wert, wenn Maschinen diese in vielen Bereichen übernehmen? Gerade hier stehen Unternehmen vor der großen Herausforderung, Mensch und Maschine optimal zu verbinden. Abhängig von Branche und Unternehmenstyp, kann der digitale Wandel zu einer deutlichen Veränderung der Personalstruktur führen. KMU sollten hier möglichst transparent mit ihren Mitarbeitern umgehen und nach Möglichkeiten suchen, diese weiterhin zu beschäftigen.

 

Die Gefahr von zunehmendem Stress durch permanente Erreichbarkeit und Kontrolle

Je effizienter und digitaler ein Unternehmen wird, desto höher können Entwicklungs- und Produktionsgeschwindigkeit werden. Gleichzeitig sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter theoretisch permanent erreichbar und kontrollierbar, was auf Dauer höheren Druck und somit eine größere Belastung darstellt. Folgen können höhere Krankenstände oder unzufriedene Belegschaften sein. KMU sollten deshalb im Rahmen einer Digitalstrategie auch für möglichen Ausgleich für seine Mitarbeiter sorgen wie mit einem geförderter Zugang zu Sportprogrammen oder unternehmensinternen Bereichen zur Entspannung und Erholung.

 

Fazit

Der digitale Wandel ist beim Mittelstand angekommen. Unternehmen stehen deshalb vor der Herausforderung, wie sie die Chancen nutzen können, ohne dabei die Gefahren zu unterschätzen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, für die Digitalisierung eine individuelle Strategie zu entwickeln, die alle Aspekte der Unternehmenstransformation berücksichtigt.

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Autor

Jonas Keller
Jonas Keller

Jonas Keller ist freiberuflicher Redakteur. Er hat einen Masterabschluss im Fachbereich Business Administration und schreibt aktuell an seiner Doktorarbeit zum Themenschwerpunkt Sales Management. Nebenbei unterstützt er die Redaktion des B2B Magazins in den Bereichen Marketing und Vertrieb.

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