Kleine und mittlere Unternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen: das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland das starke Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In keiner anderen großen Wirtschaftsnation ist der Anteil dieser Unternehmensgruppe so groß. Deutsche KMU beschäftigen knapp 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland.

Lesezeit: 7 minutes

Publiziert: 30.04.2018

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Ohne ihre Wirtschaftskraft hätte sich Deutschland nie zum Exportweltmeister und zu einer führenden Industrienation entwickelt. Mit Blick auf die Ausbildungssituation wird dies noch deutlicher: Rund 82 % aller Auszubildenden lernen in KMU. In diesem Artikel erfahren Sie die Bedeutung der KMU für die deutsche Wirtschaft, welche Chancen und Risiken auf KMU warten und welche Trends sich in Marketing und Sales bei den KMU abzeichnen.

 

Wie definieren sich kleine und mittlere Unternehmen?

Nach einer Definition der Europäischen Kommission (EU-Empfehlung 2003/361) werden Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in festgelegte Größenbereiche eingeteilt. Diese Regelung ist seit dem 1. Januar 2005 gültig. Dabei wird jede Einheit, die unabhängig von ihrer Rechtsform eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, als Unternehmen bezeichnet. Die Einteilung lautet wie folgt:

  • Kleinstunternehmen mit bis zu 9 Angestellten und einem Umsatz bis 2 Mio. Euro
  • Kleine Unternehmen mit 10–49 Angestellten sowie einem maximalen Umsatz von 10 Mio. Euro
  • Mittlere Unternehmen mit 50–299 Angestellten sowie einem maximalen Umsatz von 43 Mio. Euro

Diese Werte gelten für Einzelunternehmen. Wenn ein Unternehmen Teil einer größeren Gruppe ist, müssen dann je nach Höhe der Beteiligung die Mitarbeiterzahl sowie der Umsatz der Gruppe mit berücksichtigt werden.

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Die überragende Bedeutung der KMU für die deutsche Wirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung der KMU ist enorm. Einen Eindruck von dieser Bedeutung erhalten wir, wenn wir uns folgende Fakten ansehen: Laut einem Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird jeder zweite Euro von KMU erwirtschaftet. Darüber hinaus wird deutlich mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze von KMU geschaffen.

2015 zählten rund 3,45 Millionen Unternehmen zu den deutschen KMU, das sind immerhin 99,6 % aller Unternehmen. Beschäftigt werden von den KMU rund 58,5 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Was die Bedeutung der KMU für die deutsche Wirtschaft noch verstärkt: Ende 2015 lernten 81,8 % aller Auszubildenden in Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten.

Mit einem Exportanteil von 17,1 % des Exportumsatzes aller deutschen Unternehmen hatten KMU einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der führenden Stellung Deutschlands als Exportweltmeister. Allerdings: Die KMU beschäftigen zwar rund 58,5 % aller Beschäftigten, ihr Exportanteil liegt allerdings nur bei 17,1 %. Das zeigt: Hier besteht noch mehr Potenzial und die KMU könnten, bezogen auf die Zahl der Beschäftigten, ihren Exportanteil steigern.

Warum das jedoch nicht so einfach ist, hängt vor allem mit den Risiken zusammen, mit denen es die KMU zu tun haben, wenn sie sich auf neue Exportmärkte wagen.

 

Chancen und Risiken für KMU

Zunächst einmal ist eine großartige Botschaft festzuhalten: Deutschland ist seit vielen Jahren Exportweltmeister. Und das ist vor allem ein Verdienst der KMU, deren Know-how seit Langem weltweit geschätzt wird. Und genau hier, im Export, liegen weiterhin die größten Chancen für KMU. Denn Exportmärkte schätzen die deutsche Gründlichkeit und die technischen Lösungen deutscher Mittelständler. Aufgrund ihrer Größe sind die KMU flexibler als Großunternehmen und können so leichter auf veränderte Bedingungen in bestimmten Exportmärkten reagieren.

Die Chancen für KMU

KMU sind flexibel, schnell und können sich rasch auf neue Herausforderungen einstellen. Meist wird in den KMU sehr pragmatisch gearbeitet – es müssen nicht erst Gremien und Vorstände einberufen werden, um Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus sind viele KMU Familienbetriebe, die grundsätzlich schneller in ihren Entscheidungen sind. Damit sind die Entscheidungswege einerseits kurz, andererseits wird oft eine Firmenpolitik praktiziert, die auf Langfristigkeit ausgelegt ist und nicht sofort auf jeden Markteinfluss hektisch reagiert.

Die Risiken für die KMU

Es gibt allerdings Risiken, denen die KMU begegnen, wenn sie sich auf neue Exportmärkte wagen: Gerade der Beginn erweist sich meist als große Hürde, denn der bürokratische Aufwand bindet enorme Ressourcen im Unternehmen. Zudem kommen Mitarbeiter, die sich mit neuen Exportmärkten beschäftigen, nicht selten an ihre Grenzen. Denn ihre vergleichsweise große Erfahrung aus dem Inlandsgeschäft lässt sich oft nur bedingt auf Auslandsmärkte übertragen.

Auch die Entscheidung, welche Art der Kooperation sinnvoll und erfolgsversprechend ist, birgt ein Risikopotenzial: Ob es eine Vertriebsniederlassung, eine ausländische Produktionsstätte, ein Joint-Venture oder eine Fusion wird – oft ist es schwierig, den richtigen Weg in ein neues Land zu finden.

Ein weiteres großes Thema sind Personalprobleme. Es gilt, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, mit unterschiedlichem Geschäftsgebaren, unterschiedlicher Sprache und über weite Entfernungen hinweg zusammenzubringen. Und das kann manchmal mühsam und kraftraubend für die eigenen Mitarbeiter sein.

Kurz gesagt: Es werden Ressourcen gebunden, und die mit Export beschäftigten Mitarbeiter sind hohen sozialen Belastungen ausgesetzt. Die Herausforderung besteht darin, diese Mitarbeiter zusätzlich zu motivieren und zu schulen, damit sie mit den überdurchschnittlich komplexen Aufgaben dauerhaft gut zurechtkommen.

Gleichwohl können die KMU mit diesen Unsicherheiten gut umgehen. Denn aufgrund ihrer Größe reagieren sie flexibel auf neue Situationen.

Kleine und mittlere Unternehmen bieten Mitarbeiter-Workshops an

Bieten Sie Schulungen und Workshops für Ihre Mitarbeiter an, um diese auf neue Herausforderungen vorzubereiten und die Mitarbeiterbindung zu stärken.

 

Welche Trends zeichnen sich hinsichtlich Marketing und Sales der KMU ab?

KMU erkennen zunehmend die Bedeutung der Online-Möglichkeiten und nutzen diese immer häufiger in ihren Marketing- und Verkaufsaktivitäten. Grundsätzlich sind die verfügbaren Budgets in den KMU natürlich deutlich geringer als in Großunternehmen. Sie müssen daher wesentlich effektiver und effizienter eingesetzt werden.

Big-Data ist in den KMU ein Thema

In der Regel besitzen KMU viele Daten und Informationen über ihre Kunden. Die sind allerdings oft nicht zentral an einem Ort gespeichert. Die Herausforderung ist, diese Daten in eine zentrale Datenbank einfließen zu lassen, weshalb die Daten systematisch und gezielt genutzt werden können. Glücklicherweise gibt es mittlerweile für KMU viele Softwarelösungen am Markt, um diese Kundendaten besser nutzen zu können.

Mobile-Marketing wird immer beliebter

Auch die KMU haben erkannt, wie sie mithilfe von Apps noch persönlicher und intensiver kommunizieren können. So nutzen viele KMU diese Programme, um ihre Kunden direkt über das Smartphone mit Neuigkeiten und Produktupdates auf dem Laufenden zu halten. Der Mobile-Index löst den Desktop-Index ab, wie Google im Oktober 2016 bekanntgab. Seitdem wird das Ranking einer Webseite über die mobile Version dieser Seite erfolgen, denn bereits 50 % der Suchanfragen werden über Mobilgeräte getätigt. Einmal mehr ein Grund, warum die KMU diesen Weg konsequent fortsetzen sollten.

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Content-Marketing hat sich etabliert

Meist sitzen die KMU auf einem wertvollen Schatz von Informationen, sprich: Content. Solange er jedoch die Kunden und Interessenten nicht erreicht, ist er wertlos. Deshalb erkennen immer mehr KMU die große Bedeutung von Content-Marketing und setzen es zunehmend und systematisch in ihren Marketingaktivitäten ein.

Die KMU sind dazu übergegangen, entweder selbst Content zu erstellen – schließlich kennen sie ihre Produkte am besten. Oder aber sie lassen Content von spezialisierten Agenturen erstellen, den sie dann auf ihrem Firmenblog veröffentlichen und über die Social-Media-Kanäle verbreiten. KMU wissen um die Bedeutung von Content, der dem Nutzer einen Mehrwert bieten muss, wenn er gelesen werden soll.

Newsletter sind im Kommen

Was Großkonzerne schon länger erfolgreich praktizieren, setzt sich jetzt auch zunehmend in den KMU durch: Sie bedienen ihre Kunden mit einem regelmäßigen Newsletter, in dem sie über Neuigkeiten und Produktupdates berichten. Der Vorteil: Sie haben in der Regel bereits eine größere E-Mail-Liste, die sie direkt beliefern können.

 

Fazit

Kaum ein anderes Land hat einen so hohen Anteil an KMU wie Deutschland. Das ist zugleich das Geheimnis, warum Deutschland einen Rekord nach dem anderen im Export einfährt und warum die KMU oft als Seele der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden. KMU können einfacher und schneller auf Krisen und Veränderungen reagieren als Großkonzerne. Mit ein Grund, weshalb Deutschland Krisen in der Vergangenheit besser als andere Länder bewältigen konnte.

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Autor

Birgit Weber
Birgit Weber

Birgit Weber ist als Redakteurin im B2B Manager tätig. Sie trainiert und berät seit mehr als zehn Jahren Unternehmen hinsichtlich ihrer Marketing- und Vertriebsstrategien und zählt zu den geschätzten Sprecherinnen auf B2B-Messen. Neben ihrer Autorentätigkeit ist Birgit Weber Leiterin eines Institutes für Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsplanung.

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