Lean-Management-Methoden

Lean-Management-Methoden: Prozesse optimieren. Effizienz steigern

Mit zunehmender Digitalisierung steigt für jedes Unternehmen der Wettbewerbsdruck. Die Folge ist ein erhöhter Kostendruck, der in den Bereichen Produktion, Verwaltung und Marketing eine immer größere Effizienz erforderlich macht. Doch Entwicklung und Aufbau effizienter Strukturen brauchen Zeit. Und auch das Wissen über passende Methoden, mit deren Hilfe ganze Betriebsabläufe nachhaltig optimiert und auf die neuen Wettbewerbsbedingungen ausgerichtet werden können, muss erst einmal erworben werden. Eine mögliche Alternative bieten Lean-Management-Methoden. Dabei handelt es sich weniger um strikte Vorgaben für Führungskräfte und Teams als vielmehr um eine Firmenphilosophie, die im Gesamten mit unterschiedlichen Methoden umgesetzt wird. Ihr Ziel ist es, bei maximaler Kosteneffizienz höchste Qualität zu erzielen.

Lesezeit: 7 minutes

Publiziert: 21.06.2018

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Entstehung und Entwicklung des Begriffs „Lean-Management“

Die Bezeichnung „Lean-Management“ geht zurück auf den Begriff der „Lean-Production“. Wer das englische Adjektiv wörtlich übersetzt, erhält zwar die Übersetzung „Schlanke Produktion“, doch dieser Begriff beschreibt die gesamte Philosophie des heutigen Lean-Managements nur ungenügend.

Für ein umfassenderes Verständnis des Begriffs müssen wir ein wenig in der Zeit zurückgehen, nämlich ins Japan der 1950er und 1960er Jahre. Dort hatte der Autohersteller Toyota ein Produktionsprinzip geschaffen, das sich auf drei Grundsätze stützte: möglichst geringe Verschwendung von Ressourcen, das Streben nach Perfektion und minimaler Kostenaufwand bei höchster Qualität.

Rund drei Jahrzehnte später untersuchten Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) verschiedene Produktions- und Entwicklungsstufen für Autos weltweit. Ziel dieser Suche war ein System, das sich durch Effizienz und Qualität auszeichnet. Dabei sind sie auf die Produktionsmethode bei Toyota gestoßen, die künftig als Richtwert der fortan als „Lean-Production“ („Schlanke Produktion“) etablierten Produktionsmethode diente.

Die aus dieser Forschungsarbeit entstandene wissenschaftliche Abhandlung erregte weltweit große Aufmerksamkeit. Sie trug den Titel „Die zweite Revolution in der Automobilindustrie“, Verfasser waren James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos. Vor allem die Automobilindustrie und die damit verbundene produzierende Industrie zeigten großes Interesse an der vorgestellten Methodik.

Anfangs bezog sich die Lean-Production noch ausschließlich auf den Produktionsbereich. Später, Ende der 1990er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends, wurde der Begriff dann erweitert. Er wurde nun allgemein auf alle Bereiche in Unternehmen angewendet – der Begriff „Lean-Management“ war entstanden.

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Definition Lean-Management

Unter Lean-Management werden Methoden und Prinzipien verstanden, die in Unternehmen zu mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz führen. Dabei stehen Kundenorientierung und Qualität im Vordergrund. Der Grundgedanke von Lean-Management ist dabei die Vermeidung von Verschwendung in jeglichem Sinne.

Lean-Management kann auf alle Bereiche in einem Unternehmen übertragen werden: Die Prinzipien lassen sich als „Lean-Development“ auf die komplette Produktentwicklung sowie auf die Forschung anwenden. Außerdem kann mit der Lean-Production im ursprünglichen Sinn die Herstellung verbessert werden. Selbst die Verwaltung kann im Rahmen des Lean-Management-Ansatzes effizienter gestaltet werden. Bezogen auf die Wertschöpfungskette, spricht man von der „Lean-Supply-Chain“.

Auf diese Weise wird Lean-Management zum universellen Managementansatz, der Effizienz und Nachhaltigkeit mit hoher Kundenorientierung in den Mittelpunkt rückt. Aus einem Prinzip, das ursprünglich für die Automobilindustrie entwickelt wurde, ist eine „Philosophie“ geworden, die von Unternehmen jeglicher Größe und jeder Branche angewandt werden kann.

 

Ziele und Prinzipien im Lean-Management

  • Kontinuierliche Steigerung von Produkt- und Servicequalität: Die ursprüngliche Ausrichtung der Lean-Production soll die Produkt- und Servicequalität steigern. Dabei stehen sowohl das Produkt selbst als auch der Kunde mit seinen Wünschen und Bedürfnissen im Vordergrund.
  • Verbesserte Kundenorientierung: Im Gegensatz zu anderen Management-Methoden steht beim Lean-Management der Kundenwunsch stark im Fokus – trotz Reduktion von Kosten und Material.
  • Effiziente Kostensenkung: Durch die Konzentration auf das Wesentliche und die Vermeidung von Überschüssen entstehen bei Unternehmen mit Lean-Management deutlich niedrigere Kosten.
  • Fokussierung auf eigene Stärken: Wenn ein Unternehmen seine Stärken kennt, kann es kontinuierlich daran arbeiten, diese zu verbessern.

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  • Verbesserung des Teamworks: Durch verbesserte Arbeitsabläufe im Team können Arbeiten schneller, qualitativ hochwertiger und kostengünstiger erledigt werden.
  • Stärkung der Transparenz bei Entscheidungsprozessen: Indem alle Entscheidungen und Feedbacks offen kommuniziert werden, können Mitarbeiter kontinuierlich an der Optimierung von Produkten und Abläufen arbeiten. So entsteht ein für alle transparenter, produktiver Prozess.
  • Nachhaltiger Kultur- und Einstellungswandel: Lean-Management bedeutet nicht einfach nur, eine Methode anzuwenden, sondern auch zu verinnerlichen. Damit einher geht in der Regel ein vollständiger Wandel der Firmenkultur.

 

Lean-Management-Methoden

Ziel von Lean-Management-Methoden ist immer, Prozesse und Zusammenhänge in Unternehmen sichtbar zu machen. Denn eine solche Analyse führt schließlich zu einer wirtschaftlichen Gestaltung unwirtschaftlicher Bereiche: Ressourcen werden besser genutzt, neues Potenzial kann entdeckt werden. Die Methoden lassen sich auf alle Unternehmensebenen anwenden, in der Produktion, im Marketing oder im Vertrieb.

  • Analyse des Wertstroms: Der Wertstrom in einem Unternehmen kann ganz unterschiedlich ausfallen. Er beschreibt jedoch immer den Weg von der Idee über die Umsetzung bis hin zur Auslieferung an den Kunden. Im Rahmen der Wertstromanalyse werden alle einzelnen Aktivitäten analysiert, die für die Erstellung von Produkten oder die Bereitstellung von Dienstleistungen notwendig sind. Wenn der Wertstrom genau aufgeschlüsselt wird, können alle beteiligten Abteilungen und Personen genau identifiziert werden. Die komplette Wertschöpfungskette kann dann Stück für Stück verbessert und auf die Bedürfnisse des Kunden sowie auf „Verschwendungen“ hin geprüft werden. Das Ergebnis ist eine effizientere Struktur des Wertstroms, auf dessen Optimierung schließlich alle Prozesse hin ausgerichtet werden.
  • PDCA-Zyklus: Im Rahmen dieses zyklischen Ansatzes werden Produkte eines Unternehmens kontinuierlich verbessert. Der Ansatz beruht auf den Aktivitäten „Plan“ (planen), „Do“ (herstellen), „Check“ (prüfen) und „Act“ (Handeln). In einem fortlaufenden Kreislauf werden Produkte immer besser, weil sie nach einem Zyklus erneut geprüft, modifiziert und angewandt werden. Der PDCA-Zyklus wird – nach dem Physiker William Edwards Deming – „Deming-Zyklus“ genannt, der heute vor allem im Qualitätsmanagement genutzt wird.

Grafik Lean-Management-Methoden: Der PDCA-Zyklus

 

  • KVP: Der kontinuierliche Verbesserungsprozess ist eng mit dem PDCA-Zyklus verknüpft. Ziel ist, ein Produkt so lange zu verbessern, bis es keinen Fehler mehr aufweist. Alle Beteiligten werden direkt in diesen Prozess einbezogen. Im Japanischen wird dieser Weg „Kaizen“ genannt. Er hat neben der Verbesserung der Produkte die Steigerung von Motivation und Zufriedenheit der am Herstellungsprozess Beteiligten zum Ziel, da diese beiden Eigenschaften wiederum für einen besseren Arbeitsprozess sorgen. Ordnung, Selbstdisziplin, hohe Standards und Sauberkeit gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess.
  • Standardisierung: Wenn Standards in Unternehmen gesetzt werden, kann dadurch das Lean-Management optimiert werden. Hierzu gehört z.B. die Bereitstellung von Know-how für alle Mitarbeiter des Unternehmens. Auf diese Weise können sich alle Beteiligten einen ähnlichen Wissensschatz erarbeiten und vermeiden Fehler.
  • Kanban: Mit Hilfe der Kanban-Methode lassen sich viele Grundsätze des Lean-Managements umsetzen: Der agile Ansatz ermöglicht die Verbesserung eines Produkts in vielen Einzelschritten. So können zum Beispiel viele kleine Teams mit Einzelaufgaben beschäftigt werden. Jedes Team kann seine Aufgaben sehr schnell lösen, und am Ende werden alle Lösungen zusammengetragen. Auf diese Weise kann das Unternehmen schneller gemeinsam an einer großen Lösung arbeiten. Zugleich wird das Fehlerrisiko verringert, da jede einzelne Lösung z. B. nach der PDCA-Methode erzielt werden kann.

 

Vorzüge und Nachteile von Lean-Management-Ansätzen

Der größte Vorzug von Lean-Management-Methoden ist die effiziente und mit geringem theoretischen Aufwand verbundene Verbesserung Ihres Unternehmens. Es bedarf keiner langen Schulungen und Fortbildungen, um die Methoden in die Praxis zu übertragen. Zugleich kann Lean-Management in Unternehmen jeglicher Größenordnung eingesetzt werden. Der universelle Ansatz ermöglicht es, Lean-Management in jeder Branche einzusetzen. Ob Marketing-Firma oder produzierendes Gewerbe, Dienstleister oder Handwerker: Lean-Management ist flexibel auf die jeweiligen Anforderungen der Kunden und Unternehmen anpassbar.

Nachteilig an Lean-Management-Methoden mag die für eine erfolgreiche Umsetzung erforderliche Akzeptanz des kompletten Unternehmens gegenüber der Methode sein. Darüber hinaus müssen alle Beteiligten von den Vorzügen der Methoden überzeugt sein, denn schließlich funktioniert der Ansatz nur, wenn alle Teams sich damit identifizieren können. Zugleich erfordert Lean-Management ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Wird diese nicht eingehalten, können ganze Prozesse im Misserfolg enden, weil ein Produkt zum Beispiel nicht mehr kontinuierlich verbessert oder am Kundenwunsch ausgerichtet wird.

 

Für welche Unternehmen sind Lean-Management-Methoden geeignet?

Grundsätzlich bietet sich Lean Management für jegliche Unternehmensform an. Aufgrund der ursprünglichen Ausrichtung auf die Produktion in der Automobilindustrie sind Lean-Management-Methoden hervorragend für produzierende Mittelständler geeignet. So lässt sich zum Beispiel die Wertschöpfungskette schnell und effizient verbessern, ohne dafür lange theoretische Abhandlungen durchforsten zu müssen. Indem alle Bereiche im Unternehmen transparent über die Grundprinzipien informiert werden, können alle Mitarbeiter tatsächlich „abgeholt“ werden, um die neue Management-Methode anzunehmen.

Um Erfolge mit Lean-Management zu erzielen, ist eine kontinuierliche Bereitschaft zur Verbesserung und Perfektion erforderlich. Ist diese gegeben, kann jedes Unternehmen damit arbeiten. Werden bereits agile Methoden angewandt, können diese perfekt mit Lean-Management-Methoden kombiniert werden.

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Autor

Andreas Duerr
Andreas Duerr

Andreas Duerr ist Chefredakteur des B2B Managers. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen strategische Absatzkonzepte und Verkaufsförderung. Er kennt die Höhen und Tiefen des Vertriebsalltags und nimmt mit seiner Expertise in den Themenfeldern Vertriebsaufbau, Führung und Organisation auch im B2B Manager eine leitende Rolle ein.

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