Der Mittelstand 4.0 in Deutschland

Der Mittelstand 4.0: Kern der deutschen Wirtschaft

Der Begriff „Digitalisierung“ ist fester Bestandteil der Diskussion über die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er beschreibt den Wandel von Prozessen, Objekten sowie der Informationsbereitstellung durch digitale Systeme. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Innovationspotenziale nutzen zu können, ist die digitale Transformation für mittelständische Unternehmen unumgänglich. Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Sie die Potenziale der digitalen Welt zu Ihrem Vorteil nutzen und somit zum Vorreiter des sogenannten „Mittelstands 4.0“ werden können.

Lesezeit: 8 minutes

Publiziert: 27.02.2018

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Digitalisierung mittelständischer Unternehmen als Wirtschaftsfaktor

Laut einer Studie von KfW Research waren im Jahr 2016 rund 30,9 Millionen Erwerbstätige in mittelständischen Unternehmen tätig. Dies entspricht einem Anteil von 70,4 % aller Erwerbstätigen in Deutschland. Die Entwicklungen in diesen Unternehmen nehmen wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Gesamterfolg Deutschlands. Das Verständnis für den digitalen Wandel und dessen Signifikanz für den Erfolg eines Unternehmens ist daher insbesondere im Mittelstand essenziell. Dennoch unterstreicht eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaft (ZEW) in Zusammenarbeit mit dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaften den großen Nachholbedarf beim digitalen Wandel des Mittelstands. Laut einer 2015 und 2016 durchgeführten Befragung mittelständischer Unternehmen nutzt lediglich ein Fünftel von ihnen digitale Technologien. Dabei bietet der digitale Wandel eine Reihe an Chancen. Dazu gehören die höhere Produktivität der Mitarbeiter, niedrigere Kosten durch eine höhere Wertschöpfung sowie ein einfacherer Zugang zu internen und externen Informationen. Unternehmen, die an dieser voranschreitenden Entwicklung nicht teilnehmen, drohen wirtschaftlich abgehängt zu werden.

 

Der Weg zur digitalen Transformation im Mittelstand

Herausforderungen meistern

In der Studie des ZEW aus dem Jahr 2016 nannten die befragten Führungskräfte mittelständischer Unternehmen folgende Herausforderungen als größte Hemmnisse für eine umfassende digitale Transformation:

  • Mangelndes IT-Fachwissen der Beschäftigten
  • Bedenken bezüglich des Datenschutzes bzw. der Datensicherheit
  • Hohe Investitions- und Betriebskosten der digitalen Technologien

Dabei nannten 67 % der befragten Unternehmen die mangelnden digitalen Kompetenzen der Beschäftigten als größtes Hindernis. Die Mitarbeiter sind besonders im Mittelstand ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Sehen Sie deren Mangel an IT-Kenntnissen als Herausforderung, nicht als Hindernis an. Eventuell verfügen Sie über eine Abteilung oder beschäftigten einzelne Mitarbeiter mit einschlägigen Expertenkenntnissen im IT-Bereich. Erweitern Sie deren Aufgabenbereich und begeistern Sie sie für die interne Weiterbildung der übrigen Beschäftigten. Alternativ können Sie externe Dienstleister nutzen. Diverse IT-Unternehmen bieten Schulungen und Weiterbildungen an. Die verfügbaren Programme reichen von der Vermittlung von Basiswissen über die Vertiefung bis hin zur Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche.

Rund 62 % der befragten Unternehmen nannten Bedenken in Bezug auf den Datenschutz als Hindernis. Unternehmensinterne Informationen, auf die Mitarbeiter jederzeit und von jedem Ort aus zugreifen können, gelten als anfällig für Datendiebstahl. Hinzu kommen die mangelnden rechtlichen Rahmenbedingungen und Haftungsregelungen zur Vorbeugung von Datenmissbrauch. Wichtig ist der vernünftige Umgang mit den bereitgestellten Daten sowie deren sorgfältige Klassifizierung. Hohe Investitions- und Betriebskosten digitaler Technologien wurden von 59 % der mittelständischen Unternehmen als Herausforderungen bezeichnet.

Die Entwicklung einer an das Unternehmen angepassten digitalen Strategie kann jedoch eine Effizienzsteigerung nach sich ziehen. Das eingesetzte Kapital relativiert sich in den allermeisten Fällen.

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Chancen erkennen

Sehen Sie die Einführung digitaler Strukturen und die Hinwendung zum Mittelstand 4.0 nicht als zwingenden Schritt, den Sie gehen müssen. Legen Sie den Fokus auf die hohen Innovationspotenziale Ihres Unternehmens und die erfolgreichere Erfüllung von Kundenwünschen. Darüber hinaus bietet die Digitalisierung folgende Chancen:

  • Effizienzsteigerung von Fertigungsprozessen durch IT-gestützte Programme
  • Unkomplizierte Speicherung und Verarbeitung von Daten
  • Erhöhung der Attraktivität als Arbeitgeber und Geschäftspartner

Mithilfe einer entsprechenden Software können Sie Ihre Produktion steuern, überwachen und gegebenenfalls optimieren. Insbesondere im B2B-Bereich ist das ein großer Vorteil. Ihre B2B-Kunden müssen sich stetig auf die Wünsche ihrer Kunden einstellen. Beispiele hierfür sind z. B. die Forderung nach kürzeren Lieferzeiten oder die Ausstattung von Produkten mit immer neuen Funktionen. Diese Kundenwünsche werden an Sie als B2B-Lieferanten weitergegeben. Durch einen IT-gesteuerten Produktionsprozess können Sie umgehend auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden reagieren. Gleichzeitig erfasst das digitale System Schwachstellen im Fertigungsprozess, deren Behebung in einer Effizienzsteigerung resultieren kann.

Die Grundlage für das erfolgreiche Arbeiten mit IT-Systemen ist die Möglichkeit der Speicherung und Verarbeitung von Informationen. Dazu zählen beispielsweise Daten über Kunden und Lieferanten, den Fertigungsprozess und die technische Spezifikation der hergestellten Produkte. Um diese Vielfalt an Daten speichern und verarbeiten zu können, ist die Anschaffung kostenintensiver Soft- und Hardware sowie die Einstellung fachkundiger Mitarbeiter zur Überwachung und Verwaltung erforderlich. Diese Kostenfaktoren können Sie umgehen, indem Sie sich mit der Nutzung von IT-Ressourcen externer Anbieter vertraut machen. Wie Sie herausfinden, ob und in welchem Umfang dieser Service für Ihr Unternehmen sinnvoll ist, erfahren Sie unten.

Erkennen Sie die Chance, Ihre Attraktivität als Arbeitgeber und Geschäftspartner zu erhöhen. Junge Bewerber messen dem Grad des technologischen Standes eines Arbeitgebers einen hohen Stellenwert zu. Sie sind mit digitalen Medien aufgewachsen, wodurch sie bereits ein fundiertes Grundwissen im Bereich digitaler Technologien besitzen. Interne Schulungen können Sie somit auf die Vermittlung von spezialisiertem und komplexem Wissen beschränken. So können Sie auf Dauer Kosten für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter sparen.

interne Schulung im Mittelstand 4.0

Durch interne Schulung können Sie Ihren Mitarbeiter technische Neuheiten näher bringen. Aber auch junge, technikaffine Mitarbeiter können ihren Kollegen mit neuer Software helfen.

 

Ihre Attraktivität als Geschäftspartner kann ebenfalls erhöht werden. Vor allem, wenn Ihr B2B-Kunde seinerseits mit digitalen Systemen arbeitet. So können dem Kunden Produktspezifikationen oder Bestellinformationen ohne großen Aufwand digital bereitgestellt werden. Dieser hohe Kommunikationsgrad kann Ihnen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.

 

In fünf Schritten zur digitalen Strategie

Sie haben nun mehr über die Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation erfahren. Die Handlungsgrundlage eines jeden Unternehmens des Mittelstands 4.0 ist die Erstellung, Umsetzung und Überwachung einer Digitalisierungsstrategie. Die folgenden fünf Punkte fassen die dafür nötigen Schritte zusammen:

1. Erfassen Sie den digitalen Status quo Ihres Unternehmens

Im ersten Schritt ermitteln Sie den aktuellen Stand der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen. Welche Unternehmensbereiche sind auf einem guten technologischem Stand? Wo besteht noch Handlungsbedarf? Wie steht es um die digitalen Kompetenzen der Belegschaft? Während der letzte Punkt leicht durch Befragung der Mitarbeiter geklärt werden kann, bedarf es bei den ersten beiden Fragen einer genaueren Betrachtung. Hilfreich ist ein objektiver Vergleich Ihres Technologiestandes mit dem von anderen Unternehmen Ihres Geschäftsfeldes. Nutzen Sie diese Informationen als grobe Inspirationsquelle. Die ideale Digitalisierungsstrategie sieht für jedes Unternehmen anders aus.

2. Definieren Sie Ziele auf der gesamten Unternehmensebene

Sie haben den Status quo der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen ermittelt. Im nächsten Schritt leiten Sie aus diesen Erkenntnissen Ziele ab. Achten Sie auf eine klare Definition und Priorisierung. Ermitteln Sie die Anzahl der internen und externen Mitarbeiter, die für die Umsetzung der Ziele benötigt wird. Zudem sollten der erforderliche Zeitaufwand und das notwendige Kapital in Ihre Definition aufgenommen werden. Der Transformationsplan sollte sich auf das gesamte Unternehmen beziehen und nicht nur auf Ihre IT- oder Marketingabteilung. Nutzen Sie in diesem Zusammenhang gegebenenfalls die kostenfreie Beratung in den digitalen Kompetenzzentren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

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3. Legen Sie den gewünschten Umfang der digitalen Transformation fest

Fragen Sie sich, welche der verfügbaren Services für Ihr Unternehmen sinnvoll sind. Nehmen wir an, Ihre Produktion ist von standardisierten Abläufen gekennzeichnet, die eine große Menge an hinterlegten Daten erfordert. In diesem Fall bietet sich die Nutzung von Cloud-Services an, was zugleich den Zukauf externer IT-Ressourcen mit sich bringt. Ihre Daten werden auf den Servern des Anbieters gespeichert und können von Ihnen jederzeit per Internetverbindung abgerufen werden. So vermeiden Sie einen kostspieligen Ausbau Ihrer internen IT-Abteilung. Rechnen Sie zur Bewertung des Nutzens dieses Services das benötigte Kapital mit den Kosten der Erweiterung Ihrer internen IT-Abteilung gegen.

4. Durchführung der Strategie

Untergliedern Sie Ihre Gesamtstrategie in einzelne Teilprojekte und setzen Sie die Strategie schrittweise um. So führen Sie Ihre Belegschaft sanft an den Wandel von Arbeitsabläufen heran. Darüber hinaus lassen sich kleine Projekte innerhalb der Gesamtstrategie schneller realisieren. Folgen Sie der durchgeführten Priorisierung Ihrer Ziele. Angenommen, Ihr oberstes Ziel ist die schnellere Reaktion auf individuelle Kundenwünsche: Hier kann Ihnen schon der digitale Ausbau und die anschließende Vernetzung von Entwicklungsabteilung und Fertigung eine Effizienzsteigerung bescheren.

5. Kontrolle und Optimierung

Verstehen Sie Ihre Digitalisierungsstrategie als Testphase. Durch stetige Kontrollen und Auswertungen können ertragreiche IT-Systeme hinzugefügt und kostenintensive digitale Prozesse mit geringem Nutzen eliminiert werden. Ihre digitale Transformationsstrategie ist der Anfang eines andauernden Prozesses. Sehen Sie diesen Prozess als Kreislauf. Evaluieren und bewerten Sie durchgeführte Projekte in Bezug auf ihren Wirkungsgrad. Lassen Sie die Erkenntnisse in das nächste Projekt einfließen. Beobachten Sie parallel dazu die Entwicklungen auf dem Technologiemarkt. So wird Ihr Unternehmen in Zukunft den Anschluss an den Mittelstand 4.0 nicht verlieren, sondern eine Vorreiterrolle einnehmen.

Grafik: Digitale Transformation im Mittelstand 4.0

 

Die Mitarbeiter als Triebfeder

Die Digitalisierung verändert die Anforderungen an Ihre Mitarbeiter. Damit diese offen für neue Veränderungen sind, sollten Sie aktiv mit Ihnen kommunizieren – am besten in Form von abteilungsübergreifenden Meetings. Diese unterstreichen die Signifikanz der Vernetzung verschiedener unternehmensinterner Bereiche. Vermitteln Sie die digitale Transformation als ganzheitliches Projekt, das von allen Unternehmensbereichen und -ebenen realisiert werden muss. Ermöglichen Sie Ihrer Belegschaft die Äußerung von Fragen, Kritik und Bedenken. Aufkommenden Vorbehalten wirken Sie entgegen, indem Sie die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust nehmen. Stellen Sie heraus, wie digitale Systeme die menschliche Arbeit verändern, erweitern und erleichtern, anstatt sie zu ersetzen. Das Resultat wird eine Belegschaft sein, die Ihren digitalen Weg in Zukunft versteht und mitträgt.

 

Fazit

Die Erstellung einer Strategie zur Implementierung digitaler Prozesse stellt eine große Chance für mittelständische Unternehmen dar. Die Unterstützung der Fertigung durch IT-Systeme ermöglicht eine höhere Produktivität der Mitarbeiter sowie eine kostengünstigere Produktion. Die abteilungsübergreifende Vernetzung ermöglicht allen Bereichen den ständigen Zugriff auf relevante Daten. Um diese Erfolgspotenziale nutzen zu können, bedarf es einer systematischen Verfolgung der Digitalisierungsstrategie. Durch schrittweises Vorgehen können Herausforderungen gemeistert und Effizienzsteigerungen realisiert werden. Der nachhaltige Nutzen der digitalen Ausrichtung wird durch kontinuierliche Kontrolle sichergestellt. Durch sie können Fehlerquellen und Kostenfaktoren identifiziert und eliminiert werden. Dies sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens.

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Autor

Andreas Duerr
Andreas Duerr

Andreas Duerr ist Chefredakteur des B2B Managers. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen strategische Absatzkonzepte und Verkaufsförderung. Er kennt die Höhen und Tiefen des Vertriebsalltags und nimmt mit seiner Expertise in den Themenfeldern Vertriebsaufbau, Führung und Organisation auch im B2B Manager eine leitende Rolle ein.

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